Stadtgeschichte von Potsdam

Potsdam Altes Rathaus Die Gegend der Havel ist bis zum 6. Jahrhundert von germanischen Stämmen besiedelt. Danach übernehmen die Slawen das Gebiet und errichten Burganlagen entlang des Flusses. Für das Territorium zwischen mittlerer Elbe, Saale und Oder ernennt Otto I. den Grafen Gero zum Markgrafen. Nach dem Tod Geros 965 teilt Otto I. dessen Mark. Am 3. Juli 993 findet Potsdam erstmals urkundliche Erwähnung. Der dreizehnjährige König des ostfränkisch-deutschen Reiches und spätere Kaiser Otto III. schenkt seiner Tante, der Äbtissin Mathilde von Quedlinburg, den Burgwall "Poztupimi". Potsdam als Siedlung wird im 12. Jahrhundert gegründet, bleibt aber relativ klein und unwichtig. Einzig seine Stellung als Havelübergang geben dem Ort Bedeutung. 1304 wird Potsdam erstmals als Stedeken (Städtlein) erwähnt und im Jahr 1345 erhält es das Stadtrecht. An der Spitze der Stadt steht ab 1345 ein "Consules" bzw. ab 1450 ein Bürgermeister. Ein Rat ist ab 1465 nachweisbar.

Im Jahre 1536 verwüstet ein verheerender Brand große Teile der Stadt, positiv ist allerdings die flächenmäßige Vergrößerung Potsdams im Zuge des Wiederaufbaus. Dennoch bleibt Potsdam zunächst ein kleiner Marktfleck mit nur geringer Wirtschaftskraft. 1541 führt der Kurfürst von Brandenburg die Reformation ein. Danach teilt Potsdam die Geschicke ganz Brandenburgs und bleibt über Jahrhunderte eine überwiegend protestantische Stadt.

Durch die Regierungsübernahme Kurfürst Friedrich Wilhelms 1640 ist Potsdam neben Berlin zweite Residenz geworden. Aus diesem Anlaß entsteht das Stadtschloss am alten Markt, das später als Sommersitz der preußischen Königsfamilie dient. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) zerstört die Stadt erneut. Mit dem kurmärkischen Landtag 1653, auf dem der Kurfürst die Macht des Landadels einschränkt, bricht die absolutistische Zeit in Brandenburg an. Im Jahre 1660 leben nur noch 700 Menschen in der Stadt.

Nachdem Ludwig XIV. im Edikt von Fontainebleau (18.10.1685) die Glaubensfreiheit der Hugenotten aufhebt, reagiert der große Kurfürst und verkündet am 8.11.1685 das Potsdamer Edikt, das allen französischen Glaubensflüchtlinge ein gesichertes und privilegiertes Leben in Brandenburg bietet. Unter dem Preußischen König Friedrich Wilhelm I., der als Soldatenkönig in die Geschichte Preußens eingeht, wird Potsdam ab 1713 zur Garnisonstadt. Die Stadt wird erheblich vergrößert, das Straßensystem vereinheitlicht und es werden viele Neubauten zur Unterbringung der Soldaten errichtet. Um die Stadt zu auszubauen und zu bevölkern, holt der König die Holländer nach Potsdam, die als ehrbare Bürger und vor allem, als gute Handwerker gelten. Zwischen 1721 und 1735 entstehen die Nikolai-, die Heilig-Geist- und die Garnisonkirche.

Ab 1722 gibt es für die Altstadt und die Neustadt einen Magistrat, an dessen Spitze ein Stadtdirektor steht. Durch Friedrich II. verwandelt sich Potsdam in eine wirkliche Residenzstadt. 1744 wird das Stadtschloss am Markt ausgebaut und 1745 beginnen die Arbeiten zu Schloss Sanssouci mit großem Schlosspark und künstlichem Weinberg.

"Der Alte Fritz" ist ein Herrscher des Aufgeklärten Absolutismus und pflegt die Freundschaft mit dem französischen Philosophen Voltaire, den er von 1750 bis 1753 an seinen Hof holt.
Die größten Baumeister dieser Zeit sind, neben Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, der für Sanssouci verantwortlich ist, auch Carl von Gontard und Georg Christian Unger. Sie schaffen unter anderem das Neue Palais, die Bildergalerie und die Neuen Kammern und auch im Stadtbild von Potsdam existieren noch heute ablesbare Spuren ihres Könnens.

1750 ensteht auf Anordnung Friedrichs II. die Weber- und Spinnerkolonie Nowawes mit dem böhmischen Weberviertel und der Friedrichskirche, das heutige Babelsberg. 1806-1808 besetzen die Truppen Napoleons Potsdam. Für zwei Jahre ist die Stadt das Hauptkavalleriedepot der französischen Armee. Napoleon verlangt die Zahlung von Kriegskontributionen welche zur Verschuldung der Stadt beitragen.

1809 wird Potsdam eine kreisfreie Stadt mit einem Oberbürgermeister an der Spitze sowie eine Stadtverordnetenversammlung als gewähltes Gremium.
Ab 1815 entwickelt sich Potsdam unter Friedrich Wilhelm III zu einer Beamtenstadt.

1817 werden Lutheraner und Reformierte innerhalb Preußens zu einer einheitlichen Landeskirche (Unierte Kirche) vereinigt. Somit gehören die protestantischen Gemeinden Potsdams zur "Evangelischen Kirche in Preußen".

Friedrich Wilhelm IV läßt zwischen 1826 und 1862 eine Vielzahl prächtiger Anlagen gestalten. Schloss Charlottenhof, die Orangerie, die Anlage des Pfingstberges, die Friedenskirche und die Heilandskirche in Sacrow sind die eindrucksvollsten Bauten dieser Zeit.
In die nach russischem Vorbild 1827 erbaute Siedlung Alexandrowka ziehen russischeSängerfamilien ein. Als erste Eisenbahnlinie Preußens wird 1838 die Strecke Potsdam-Berlin in Betrieb genommen, deren Züge eine Geschwindigkeiten von 10 bis 15 km/h erreichen. 1850 wird die neu errichtete Nikolaikirche eingeweiht.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 erfasst der überall in Deutschland einsetzende Aufschwung auch Potsdam, das Stadtgebiet und die Einwohnerzahl vergrößern sich und in Potsdam-Teltow siedeln sich zwischen 1868 und 1892 bedeutende wissenschaftliche Einrichtungen, wie das Geodätische Institut, das Astrophysikalische Observatorium, das Magnetische und das Meteorologische Institut an. Zwischen 1913 und 1916 entsteht mit dem Schloss Cecilienhof - benannt nach der Kronprinzessin Cecilie - im Neuen Garten der letzte Schlossbau der Hohenzollern. 1914 unterzeichnet Kaiser Wilhelm II im Neuen Palais die Kriegserklärung.

1917 wird die UfA-Universum Film AG in Babelsberg gegründet. Durch die Novemberrevolution 1918 und die Abdankung des Kaisers verliert Potsdam seine Funktion als Residenzstadt. Im Verständnis der Stadtverwaltung behält man jedoch die offizielle Bezeichnung "Residenzstadt Potsdam" bei. In dieser Zeit gerät Potsdam in soziale Schwierigkeiten. Ein besonderes Problem stellt die Wohnungsnot dar, der man durch neue Siedlungsbauten beikommen will. Am 21. März 1933, heute Tag von Potsdam genannt, findet in der Potsdamer Garnisonkirche ein unheilvoller Staatsakt statt, der greise Reichspräsident von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum neuen Reichskanzler.

1939 wird die Villen- und Filmstadt Babelsberg Potsdam eingemeindet. Die jüdische Elite, so der Tenor Richard Tauber, werden von den Nazionalsozialisten vertrieben oder ermordet. Bei einem verheerenden Bombenangriff am 14. April 1945 wird viel von Potsdam zerstört. Das französische Viertel, das Potsdamer Stadtschloss und die Garnisonkirche werden schwer beschädigt. Im Schloss Cecilienhof findet vom 17. Juli bis 2. August 1945 die Wannseekonferenz der Siegermächte statt. Truman, Stalin und Churchill, später Atlee, besiegeln das Potsdamer Abkommen und damit die europäische Nachkriegsordnung und das weitere Schicksal Deutschlands.

1948 beginnt auf dem Gelände des ehemaligen Lustgartens der Bau des Ernst-Thälmann-Stadions, bei dem die Trümmer der zerstörten Gebäude verarbeitet werden. 1950 beginnt der Wiederaufbau der Altstadt. Von 1952 bis 1990 ist Potsdam die Hauptstadt eines DDR-Bezirks.

Im November 1989 demonstrieren auch die Potsdamer Bürger für die Öffnung der Grenzen.
Als am 9. November 1989 die Öffnung bekannt gegeben wird, ist die Glienicker Brücke wieder für alle Potsdamer Bürger in beide Richtungen passierbar. 1990 wird Potsdam Hauptstadt des neu geschaffenen Bundeslandes Brandenburg. Der brandenburgische Landtag und die brandenburgische Landesregierung haben hier ihren Sitz. Im selben Jahr erklärt die UNESCO die Schlösser und Gärten von Potsdam zum Weltkulturerbe.

1991 wird auf der Garnisonplantage das nachgestaltete Glockenspiel der Garnisonkirche eingeweiht. 1993 feiert Potsdam sein 1000jähriges Bestehen. 2001 richtet Potsdam die Bundesgartenschau aus.